|
Vielleicht findet man die Bilder, die man selbst im Kindergartenalter gemalt hat lächerlich. Hände, die plötzlich mit übergroßen Fingern versehen werden; Nasen, die irgendwie nachträglich ans Gesicht angehängt werden und Ohren, die fast unansehnlich weit abstehen! Doch zeugen sie nicht gerade deshalb von einer wachsenden Beobachtungsgabe? Es ist ganz normal, dass man erst dann richtig in der Lage ist, einen Gegenstand oder was immer es sei, richtig abzubilden, wenn man ihn bewusst angesehen hat. Dabei geht es nicht so sehr darum, den Gegenstand wiederzuerkennen, was relativ einfach ist, sondern vielmehr das charakteristische zu entdecken. Erst wenn man das typische einigermaßen erfasst hat, kann man zu lernen beginnen, wie man dies aufs Papier bringt. Eine gute Lektion geben uns die Karikaturisten, die oft mit wenigen und keineswegs genauen, der Wirklichkeit entsprechenden Strichen bekannte, Persönlichkeiten zu Papier bringen können. Das gelingt ihnen, weil sie das wesentliche erfasst haben, was den 'Wiedererkennungs-Faktor' ausmacht. Ein anderes Beispiel sind Piktogramme, also stark vereinfachte Abbildungen wie Telefon ,Feuer, Herren- und Damen-WC, die von jedem gleich interpretiert werden, obwohl sie nicht sehr detailliert dargestellt werden.
|